Die beiden Chemitzer Tefla & Jaleel waren lange Zeit die Galionsfiguren der ostdeutschen Rapszene und haben vielen Rappern aus den neuen Bundesländern den Weg in den Westen geebenet. Allein durch ihr Engagement, das Splash ins Leben zu rufen, aber auch indem sie Leute wie Joe Rilla und dessen damalige Crew Analphabeten aktiv unterstützten. Im Jahr 2005 erschien ihr vorerst letztes Album “Nichts ist umsonst”, das als das Ende ihrer Trilogie, also ihrer drei Alben, konzipiert war. Es ist nach dem kommerziell ausgerichteten “Direkt neben Dir” vor allem inhaltlich eine Rückbesinnung auf alte Werte und alte Zeiten (“Interview”). Weiterlesen.
Irgendwas läuft bei Flowin’ Immo zurzeit gehörig schief. Nachdem er sich den MZEE Mailorder vorknöpfen musste, muss nun der “spießbürgerliche Schwabe” Marcus Staiger als Teil von Immos Promotionmaschinerie herhalten. Der Rap.de Chefreadakteur ist nach neusten Erkenntnissen ein ziemliches Opfer und hat feigerkomischerweise keine Lust sich mit dem werten Immo zu schlagen. Verständlich, Immo scheint mir ein harter Kerl zu sein! Weiterlesen.
Das ist hier ein Deutschrap Blog. Ich weiß es doch auch, aber wenn es hierzulande nichts Ordentliches gibt muss ich mich eben Übersee umgucken. Und siehe da: Da drüben behauptet ein gewisser Jay-Z Auto-Tune sei tot. Ich glaube kaum, dass sich dem irgendjemand namenhaftes widersetzen wird. Ich bin froh darum, dass dieser Trend in Deutschland nie richtig angekommen ist und dass Jigga nun dieses Machtwort — ein für alle Mal — gesprochen hat. Der Beat ist übrigens richtig gut — von wem war der noch? Weiterlesen.
Das ist verrrückt! Ich habe gerade versucht die drei besten Videos des Monats Juni ausfindig zu machen — und ich konnte keine geeigneten finden. Ich habe bestimmt was übersehen! Es kann doch nicht sein, dass dieser Monat überhaupt kein qualitativ gutes Rapvideo hervorgebracht hat. Was ist los Deutschland? Weiterlesen.
Jani und ich haben dem Mannheimer Pal One einige Fragen gestellt. Sein Album “Seelentreffen” ist von Kool DJ GQ und Patrick Ahrend produziert und erscheint am 17.4. . Es ist schon die vierte LP Pal Ones, der von vielen Fans als der ehrlichste Rapper Deutschlands gefeiert wird. Ob einer noch ehrlicher ist weiß ich zwar nicht, aber viele seiner Songs, gerade vom Debütalbum “Palwolf”, sind meines Erachtens nach heute aktueller denn je und echte Klassiker.
Du bist schon sehr lange im Deutschrapgame am Start, doch viele Fans der neuen Generation werden dich noch gar nicht kennen. Wofür stehst du und deine Musik?
Für Ehrlichkeit, Liebe und Mannheim.
Was ist ist in den zwei Jahren, in denen man eigentlich gar nichts von dir hörte, passiert?
Ich habe mir einfach eine Auszeit genommen, nach etlichen Jahren im Geschäft war das einfach bitter nötig. Die Übersättigung des Marktes, das Überarbeiten, der Stress – ich musste mir einfach mal Ruhe gönnen, um mich wieder zu fokussieren und mir die Frage zu stellen, was möchte ich mit Pal One erreichen und wo und vor allem wie geht es die nächsten Jahre weiter. Prinzipiell eine Erholungsphase für den Körper und den Geist.
Was bedeutet das Album “Seelentreffen” für dich?
Seelentreffen ist ein unglaublich ruhiges, souliges Album, kein Hard Hittin’, kein Battle. Ich wollte schon immer mal ein Album machen, dessen Essenz mehr auf Musikalität und Stimmung basiert, als auf ‘in die Fresse’. Nach meiner Pause also genau das richtige Ding um wieder rein zu kommen. Für mich persönlich hat jedes meiner Alben einen besonderen Stellenwert, da all das musikalische Schaffen den Mensch und MC “Pal One” ausmacht.
Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Patrick Ahrend und Kool DJ GQ?
GQ hat ja schon auf meinem ersten Album “Palwolf” eine Produktion gehabt, so wie ich auf seinem Producer-Album “Birth of Kool” dabei war. Der Kontakt müsste so um 2001 entstanden sein. Dazu kommt, dass er ein sehr angenehmer, erwachsener Kollege ist, mit dem es sich leicht arbeiten lässt. Patrick Ahrend und GQ produzieren für Curse, beide hatten mich 2008 angefragt ob ich mir ein Solo Album vorstellen könnte und ich hatte Bock.
Inwiefern waren sie mit in den Enstehungsprozess des Albums und der Songs integriert?
Ich empfinde es immer so: Der Producer setzt mit dem Beat eine Grundstimmung vorraus, die das Thema schon eingrenzt, das hilft natürlich dem MC ungemein. Somit beginnt der Entstehungsprozess schon mit den Klängen des Beats und die Producer tragen einen sehr großen Teil dazu bei. Beim Texte schreiben ist man natürlich wieder auf sich alleine gestellt, so fern das in der heutigen Zeit noch üblich ist.
“Seelentreffen” war ein Hin- und Hergeschicke der Files. Die Beats wurden komplett in deren Studio produziert und gemixt, ich habe in meinem Studio alle Vocals aufgenommen und gemixt. Boom, fertig.
Schon bei deinen letzten beiden Alben hast du auf einzelne Produzenten vertraut. Bei “Seelentreffen” nun wieder. Wo liegen die Vorteile und wo die Nachteile dieser Produktionsweise?
Eigentlich erkenne ich nur Vorteile, ich kann mich auf einen Einzelnen oder ein Team konzentrieren, das vereinfacht viele Dinge. Die Vorraussetzung ist natürlich, dass der Producer so vielfältig ist, um genug abwechslungsreiches Material an den Start bringt, damit das Album ein rundes, stimmiges Endergebnis erzielt. Ebenso muss er die Eigenschaft haben zu erkennen welche Beats und Stimmungen der jeweilige MC benötigt.
Welchen Stellenwert hat Mannheim für dich als Rapper und Menschen?
Hier bin ich geboren, hier bin ich groß geworden, das ist meine Homebase, hier spielt sich mein ganzes Leben ab. Ich denke jeder Mensch hat einen besonderen Bezug zu seiner Heimat.
Inwieweit kannst du dich mit dem aktuellen Geschehen in Rap-Deutschland identifizieren? Welche Entwicklungen gefallen dir, welche nicht?
Ich habe aufgehört mich damit zu identifizieren. Ich sehe mich nicht in der Position über das alles zu urteilen, genau genommen ist es mir auch scheiß egal was andere machen. Es gibt Künstler, die ich schätze und Künstler auf die ich einfach nicht kann. Im Bezug auf Pal One ist das genauso. Was mir gefällt ist, dass alle Künstler, die die Fresse so weit aufgerissen haben fast restlos gefloppt sind, das bestätigt meine Meinung, dass unsere Gesellschaft noch Hirn hat und der Markt sich selbst reinigt. Vielleicht legen dann auch die großen Portale und Medien wieder mehr wert auf Künstler, die es ernst meinen und keine Modeerscheinungen sind. Aber jeder entscheidet für sich was ihm gefällt und was nicht. Ich bin sehr genügsam, mir geht das am Arsch vorbei.
Hörst du privat eigentlich deutschen Hip Hop oder sind die “10 von 10 Releases” wirklich alle scheiße?
Klar höre ich Rap Musik, aber halt echt nur von Leuten, die es ernst meinen. Meine Line heißt: “von 10 Releases ist keines mehr cool”, zwischen uncool und scheiße liegen für mich noch Welten.
Der Eine hört dies gern, der Andere das gern. Ich bin froh, dass Musik eine Geschmacksfrage ist und man frei wählen kann von wem man “Fan” ist und von wem nicht.
Von uns nochmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast auf die Fragen zu antworten. Wir wünschen dir viel Erfolg mit deinem neuen Album, in das man hier schonmal reinhören kann.
Nein, das ist kein Produzent/Rapper Kollabo Album. Stattdessen liefern uns zwei alte Bekannte eine solide Sammlung an Beats, die universal verwendbar sind. Laut der Pressemeldung sind die 19 Instrumentals “ideal geeignet als Inspiration zum Texte Schreiben, um darüber zu rappen oder einfach nur zum Kopfnicken”. Ein simples, aber gutes Konzept und da ich bisher weder von Roey Marquis II. noch von Curse enttäuscht wurde saßen die 7 € entsprechend locker. Unkompliziert und einfach kann man “Zumo Breakz: Round Three” im Marquis’schen Downloadshop ordern, um es weniger als zehn Minuten später im mp3 Player zu pumpen. Und siehe da: Das Geld ist solide angelegt. Ob es besser ist als die ersten beiden Teile der “Zumo Breakz” Serie, weiß ich nicht. Kennt die einer von euch?
Schön geordnet sind die ersten neun Beats von Curse und darauffolgend zehn weitere von Roey Marquis aka Ming. Als ich die Curse Beats zum ersten Mal hörte kamen sie mir etwas eigenartig und sperrig vor. Als wären sie in einer Viertelstunde durch Fruity Loops gejagt worden, doch so langsam freunde ich mich mit ihnen an. Curses Beats basieren, wie die von Ming, aussschließlich auf Samples und da hat sich Curse ein paar frische Fundamente für seine Stücke ausgesucht. Zudem scheint er sich besonders auf die Drums zu fokussiert haben, so verwendet er teilweise sehr komplexe Patterns, die aus dem ‘kickkicksnare’-Muster ausbrechen. Die Drumsamples der ersten fünf Stücke sind mir persönlich allerdings viel zu dünn und haben zu wenig Druck. Im Gegensatz dazu präsentiert der ‘Fluch’ am Ende seines Auftritts vier Höhepunkte. Besonders “Tribute to Roey Marquis” ist eine echte Perle – erinnert aber auch tatsächlich an einen klassischen Beat des Frankfurter Urgesteins.
Der zweite Teil und damit auch die echten Höhepunkte gehören allerdings Roey Marquis. Mit seiner 20jährigen Erfahrung erschafft er zehn Ausnahmebeats, die fast jedem aktuellen ‘fucking Standard’-Album gut tun würden. Die Atmosphäre und die Tiefe der Ming Beats einzufangen, haben schon viele Nachahmer versucht; so konstant geschafft hat es bisher nur der Altmeister. Sein konsequenter Stil macht ihn einzigartig und jedes seiner vielen Releases zu starken Werken. Er schafft es immer und immer wieder die MCs in Zusammenarbeit mit ihm zu Höchstleistungen anzustacheln. Viele bekannte Rapper haben, meines Erachtens, ihre besten Tracks mit Roey Marquis geschaffen. Man erinnere sich nur an die alten Jonesmann Tracks auf “Samsara” oder der Battle Meilenstein “Nimm’ dein Mikro in die Hand” von Tone und Samy Deluxe (Tone und RM2 haben sich übrigens vor kurzem in einem Interview die Ehre gegeben. Darin reminiszieren sie unter anderem über den Track).
Wieder zu den “Zumo Breakz 3″: Mein persönlicher Favorit des Album ist Mings “Rainbow”, um den herum sich noch einige weiteren hochklassige Beats tummeln. MCs, die Material für ihre Mixtapes brauchen, machen also keinen Fehler, wenn sie in die Platte investieren, aber auch einfach zum chillen machen die Instrumentale Spaß. Was mich jedoch gehörig stört, ist dass viele der Beats – gerade die von Curse – nur ziemlich kurz sind und daher für richtige Tracks noch zusammengebastelt werden müssen. Aber nochmal: Solide Beats für wenig Geld. Was will man mehr? Das Snippet gibt’s hier.
Das obenstehende Bild erscheint zurzeit auf der Startseite der Aggro Berlin Website. Die Schließung des wohl erfolgreichsten Hip Hop Labels der letzten Jahre? Es wäre das unschöne Ende einer erfolgreichen Geschichte, die vor knapp acht Jahren in Berlin beginnt. Eine Chronik aus dem Blickwinkel eines Außenstehenden.
Die Idee der drei Aggro Berlin Initiatoren, Specter, Halil und Spaiche, ist es harte berliner Musik zu verkaufen. Die ersten Artists sind, die von Royal Bunker abgeworbenen, Sido und B-Tight. Den endgültigen Durchbruch schafft Aggro 2004 mit der Veröffentlichung von Sidos LP “Maske”. Der Rest ist Geschichte: Die Releases werden gefeiert, gehasst und von der BPjM indiziert. Alles scheint beim ‘Label Nr. 1′ zu funktionieren und keiner scheint den Erfolg des Rapper Kollektivs stoppen zu können. Eine überwältigende Masse an Gangster Rappern schießt mir einmal aus dem Boden und profilieren sich in der Öffentlichkeit als ignorante Provokateure. Das Schlimme daran: Die Medien lieben Aggro Berlin und ihre Nachahmer und stellen Deutschrap in der Öffentlichkeit – ohne zu differenzieren – als lächerliche Ghetto Seifenoper dar. Bis heute scheint diese gegebene Öffentlichkeit hunderte von jungen Männern zum Rapper-werden zu animieren. Diese Rapper, die an sich wenig mit Hip Hop zu tun haben schaffen es, konsequenter als je zuvor, deutschen Hip Hop als lächerliche und dumme Subkultur darzustellen.
Doch zurück zu Aggro Berlin: Seit einiger Zeit läuft es bei Sido und Co. nicht mehr. Es ist nicht so, dass die Erfolge ausbleiben, aber die Aggrostarz scheinen sich nicht mehr wohl bei ihrem Label zu fühlen. Fler ist der erste, der die Konsequenzen daraus zieht und das Label verlässt. Er ist enttäuscht von seinen Chefs, die in seinen Augen nur den Profit und nicht die Bewegung hinter Aggro mit ihren Interpreten sahen. Und sogar Zugpferd Sido ließ schon vor Monaten verlauten, dass er wohl nicht ewig bei Aggro bleiben werde. Der Abgang des erfolgreichsten Artist würde den Berlinern wohl das Genick brechen, denn Sido und Fler waren bisher die Gesichter des Labels, während die Anderen nur als Nebendarsteller auftraten. Weder Tony D noch Kitty Kat oder B-Tight schaffen es, wohl aufgrund fehlendem Unterhaltungswert, auf eigenen Beinen zu stehen.
Um die Musik wird es mir nicht Leid tun, denn Sido, der mir doch das ein ums andere Mal ein Grinsen ins Gesicht gerappt hat, wird auch ohne Aggro Berlin seinen Weg gehen. Respekt habe ich persönlich jedoch vor allem vor ihrer großen Bereitschaft Risiken zu gehen und neue Wege zu erschließen. Bis sie sich dem Major Label Universal anschlossen waren sie Vorreiter in Sachen Imagevermarktung im deutschen Rap Business. Als Independent Label schafften sie es wie kein anderes Label authentisch, aber erfolgreich zu sein.
Noch ist das Ende Aggro Berlins noch nicht bestätigt, doch falls es denn so sei wäre das Ende ein Zeichen für Deutschrap und das symbolische Ende der Hochzeit des deutschen Gangsterraps. Hört sich doch gar nicht so schlecht an. Scheiß Trends, es lebe der Untergrund!
Der Titel ‘Video des Monats’ geht an Kool Savas und leider nicht an meinen Favoriten Tone. Ihr habt entschieden und ein reges Interesse an der Umfrage gezeigt. Danke dafür!
Der – übrigens auch meiner Meinung nach wirklich starke – Track Rapfilm ist auf der Brainwash Edition der John Bello Story II zu finden. Mal schauen ob die Neuauflage an den Erfolg der normalen Edition anknüpfen kann. Ich sehe das als eher unrealistisch an, wobei ich auch nicht davon ausgehe, dass das die Intention Savas’ ist. Guter Rap reicht völlig aus und genau den enthält die Brainwash Edition ‘en Masse’ - zumindest aus dem Blickwinkel der, die sich ein verstohlenes Grinsen im harten Struggle des Lebens leisten können.